Im Rahmen eines internationalen Speaker Engagements für Sanofi sprach ich am 83rd FIP World Congress in Kopenhagen über neue Perspektiven im Screening von Typ-1-Diabetes. Das Pre-Congress Symposium fand im Kontext des Br1dge-Programms statt und richtete sich an Apotheker:innen aus aller Welt. Im Zentrum des Referats stand eine zentrale Frage: Welche Rolle kann – und sollte – die Apotheke im Screening und in der frühzeitigen Erkennung von Typ-1-Diabetes übernehmen?
Typ-1-Diabetes früher erkennen – interprofessionell handeln
Lange galt Typ-1-Diabetes primär als Erkrankung des Kindesalters. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass auch junge Erwachsene betroffen sind – und dabei nicht selten fälschlicherweise als Typ-2-Diabetiker:innen diagnostiziert werden. Ein differenziertes Verständnis der Ätiologie von Typ-1-Diabetes ist daher zentral, um Fehldiagnosen zu vermeiden und Betroffene frühzeitig adäquat zu begleiten. Ein Kerngedanke des Referats war die Bedeutung der interprofessionellen Zusammenarbeit. Gerade Apotheker:innen in der Offizin nehmen eine besondere Rolle ein: Sie sind häufig niederschwellige erste Anlaufstellen im Gesundheitssystem und stehen in engem, regelmässigem Kontakt mit Patient:innen. Damit können sie einen wichtigen Beitrag leisten – sei es durch das Erkennen von Risikokonstellationen, das Sensibilisieren für Symptome oder die gezielte Weiterleitung an spezialisierte Fachpersonen.
Apotheker:innen als Brücke im Versorgungssystem
Im Referat wurde aufgezeigt, dass Apotheker:innen weit mehr leisten können als die Abgabe von Medikamenten. Sie können
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zur frühen Identifikation von Risikopersonen beitragen,
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interprofessionelle Kommunikation fördern und zeitnahe Überweisungen unterstützen,
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evidenzbasierte Informations- und Schulungsmaterialien bereitstellen,
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und – nicht zuletzt – auf die Notwendigkeit psychosozialer Unterstützung bei positiven Screening-Ergebnissen hinweisen.
Gerade im Kontext des Screenings von Inselautoantikörpern (IAbs) ist es entscheidend, Betroffene nicht allein zu lassen, sondern sie in ein koordiniertes Versorgungsnetz einzubinden. Apotheker:innen können hier eine verbindende Rolle einnehmen – zwischen Patient:innen, Ärzt:innen und weiteren Gesundheitsfachpersonen.
Die Diskussionen und Fragen aus dem internationalen Publikum zeigten deutlich: Das Potenzial der Apotheke wird gesehen, die konkrete Umsetzung ist jedoch stark von den länderspezifischen Rahmenbedingungen abhängig. Nicht überall sind die gleichen Dienstleistungen möglich – umso wichtiger ist es, strukturelle Voraussetzungen gezielt weiterzuentwickeln.
Ein Beitrag zur Weiterentwicklung der Grundversorgung
In meinem Referat machte ich deutlich, dass innovative Screening-Ansätze im Bereich Typ-1-Diabetes nur dann wirksam sein können, wenn sie interprofessionell gedacht und umgesetzt werden. Die Apotheke kann – richtig eingebunden – ein zentraler Baustein in der frühzeitigen Erkennung und Begleitung sein. Damit leistet das Thema nicht nur einen Beitrag zur fachlichen Diskussion, sondern berührt grundlegende Fragen der zukünftigen Gesundheitsversorgung: Wie nutzen wir bestehende Kompetenzen besser? Wie stärken wir die Zusammenarbeit über Berufsgrenzen hinweg? Und wie schaffen wir Strukturen, die frühzeitige, patientenzentrierte und qualitativ hochwertige Versorgung ermöglichen?